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Auch Witwen müssen mit der Zeit gehen: Der Witwenblog PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Andrea   
Montag, 19 Juli 2010

In der Bibel gehört die Fürsorge die Witwen und Waisen zu den sozialen Pflichten. Für sie ist unter anderem der alle drei Jahre abzuliefernde zehnte Teil der Ernte gedacht (Dtn 14,29 und 26,12)), sie sollen um die gröbste Not zu lindern das Recht der Nachernte auf den Feldern und in den Olivenhainen und Weinbergen haben (Dtn 24, 18-21). Die berühmte Vorschrift der Schwagerehe scheint meiner Meinung nach aber in erster Linie dazu zu dienen, posthum dem verstorbenen Bruder zu einem männlichen Nachkommen zu verhelfen - was für ein gottgefälliges Leben unabdingbar ist - und erst an zweiter Stelle dazu die Witwe zu versorgen. (vgl. Dtn 26, 5-10)

Bedauerlicherweise scheint das Volk Israel seine sozialen Pflichten gegenüber Witwen und Waisen nicht so ernst genommen zu haben. Zumindest fällt auf, wie oft in den Strafpredigten von Propheten das Ausnutzen und Übervorteilen der Witwen und Waisen angeprangert wird.

(Jes 1, 17; Jer 7, 6; Sach 7, 10; Mal 3, 5)

So rät der Prophet Jesaja statt Opfern zu folgendem Verhalten:  „Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!“ und Sacharja droht: „Wer Taglöhner, Witwen und Waisen ausbeutet, wird gerichtet.“

Im neuen Testament verliert die Fürsorge gegenüber den Waisen und Witwen als ethisches Ideal etwas an Bedeutung. Immerhin scheint es im Prinzip die Pflicht zur Fürsorge  noch gegeben zu haben (Jak 1, 27), wenn auch in der Apostelgeschichte die Rede davon ist, dass nur die Witwen der Hebräer und nicht der Hellenisten versorgt wurden und es darum zum Streit in der Urgemeinde kam. (Apg 6,1). Ein solches Verhalten wirkt auf mich allerdings nicht sehr fromm, weder im jüdischen noch im christlichen Sinne, zumal laut den Texten des Alten Testamentes sehr oft der Schutz der Fremden in einem Atemzug mit dem der Witwen und Waisen genannt wird. (Ex 22, 20-23; Psalm 146, 9) Vermutlich hat man aber die Witwen der nicht-jüdischen hellenistischen Urchristen nicht zu diesen schützenswerten Fremden gezählt.

Trotz der geforderten und oft nicht gegebenen Hilfe für die Witwen symbolisiert das Witwendasein an vielen Stellen Unglück und Armut. So heißt es bei Jesus Sirach vom vorbildlichen Gerechten: „Er missachtet nicht das Schreien der Waisen und der Witwe, die viel zu klagen hat.“ (Sir35, 17). Die von den Babyloniern zerstörte Stadt Jerusalem wird in den Klageliedern des Jeremia mit einer Witwe verglichen  (Klgl 1,1) und in der Offenbarung des Johannes wird Babylon dasselbe Schicksal angedroht (Offb. 18,7). Zwar stellt Jesus in einem Gleichnis Jesu die arme Witwe, die einen Großteil ihres geringen Einkommens spendet, als Vorbild von Mildtätigkeit dar. (Mk 12, 40 -42 // Lk 21, 1-4). Und auch die Prophetin Hanna, die wie Simeon den kleinen Jesus als den Messias erkennt, ist eine hochbetagte fromme Witwe. Der Apostel Paulus jedoch lässt im ersten Timotheusbrief  nur ältere Witwen ab sechzig – das war für die damalige Zeit schon reichlich alt – als echte Witwen, die es wert sind, dass man ihnen hilft, gelten. Jüngeren Witwen traut er alles mögliche Schlechte zu, von der Leidenschaft, die sie von Christus entfremdet, über Faulheit bis zur Schwatzhaftigkeit. (1. Tim 5, 3-16)

Nach einem Jahr als jüngere Witwe muss ich nun feststellen, dass sich erstaunlicherweise in zweitausend Jahren trotz aller Forderungen und andersweitigen Behauptungen nicht allzu viel verändert hat. Weil ich nicht gewillt bin all den Ärger weiter in mich hinein zu fressen und mir zum Schreiben eines Buches momentan leider die Zeit fehlt - zumal ein Buch gar nicht genügen würde – habe ich deshalb beschlossen es mit einem Witwenblog zu probieren und in diesem mein Leid mit Behörden, Versicherungen und misstrauischen und vermutlich auch neidischen Sachbearbeiterinnen zu klagen. Auch Witwen müssen mit der Zeit gehen.

Letzte Aktualisierung ( Montag, 19 Juli 2010 )
 
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