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Aber heute sind Witwen und Waisen doch prima versorgt – oder etwa nicht? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Andrea   
Samstag, 26 Februar 2011

Aber heute sind Witwen und Waisen doch prima versorgt – oder etwa nicht?

Vermutlich weiß kaum eine Frau, wie viel Witwenrente ihr zusteht, falls ihr Ehemann stirbt. Ich wusste es auch nicht und machte mir über meine finanzielle Absicherung in der Zeit als mein Mann schwer erkrankt war und später, als er im Sterben lag, recht wenig Gedanken. Das wäre mir herzlos und egoistisch vorgekommen. Zudem arbeite ich ja auch selbst, wenn auch in Teilzeit.
Doch eigentlich ist es dumm und naiv, wenn man darauf vertraut, als Ehefrau eines Mannes, der viele Jahre fleißig in die Rentenkasse gezahlt hat und Mutter von Kindern, die unser Rentensystem dringend braucht, abgesichert zu sein.
Vielleicht war das früher einmal so, heutzutage wäre man in vielen Fällen vermutlich mit Hartz IV samt Wohngeld besser gestellt.


Ich habe noch richtig Glück – das klingt schon etwas zynisch in einem solchen Zusammenhang -, denn ich hatte es gerade geschafft 47 zu werden, bevor mein Mann starb. Zudem war meine jüngere Tochter auch erst 16 Jahre alt. Also habe ich im Prinzip Anspruch auf die große Witwenrente. Die beträgt momentan für 20 Jahre Höchstbeitrag 861 Euro brutto, es gehen noch Krankenversicherung und Pflegegeldversicherung ab, und natürlich auch Steuern. Das ist aber noch einmal ein Thema für sich.
Verdient man aber selbst mehr als rund 1000 Euro, dann reduziert sich die Witwenrente. Verdient man relativ gut, bleibt nichts übrig.
Ich will mich aber gar nicht über meine eigene Situation beklagen. Ich bin froh, dass ich meinen Beruf eben nicht wegen der Kinder aufgegeben habe.

Aber ich bin entsetzt, wenn ich mir vorstelle, wie es einer Frau gehen muss, die es nach der Kinderpause nicht geschafft hat in einem gut bezahlten Job unterzukommen oder die eventuell gar keine Ausbildung hat oder ihr Studium wegen einer Schwangerschaft nicht abgeschlossen hat. Statt vier- oder fünftausend Euro Familieneinkommen, kommt sie nun mit Waisengeld auf wenig mehr als 1000 Euro – und das auch nur, wenn sie viel Glück hat.

Hat der Ehemann vorher nämlich weniger verdient, z. B. 2500 Euro brutto, dann bekommen die Hinterbliebenen 520 Euro Witwen- und 190 Euro Waisenrente, zusammen kaum mehr als 700 Euro. Wie soll man davon einen Kredit abbezahlen, und wenn es nur 300 Euro im Monat wären?
Richtig schlimm aber wird es, wenn man jünger als 47 Jahre ist und die Kinder schon jung bekommen hat, so dass diese schon 18 Jahre alt sind. Dann hat man nämlich nur Anspruch auf die kleine Witwenrente und die beträgt wiederum bei 20 Jahren Höchstbeiträgen, sage und schreibe 359 Euro. Hat der Verstorbene kürzer und weniger verdient, reduziert sich auch die kleine Witwenrente.

Ich glaube, dass auch eine Risikolebensversicherung das Armutsrisiko in so einem Fall nicht wirklich begrenzen kann. Es wird nämlich empfohlen das drei bis fünffache des Jahreseinkommens als Versicherungssumme zu wählen. Aber was ist, wenn die Versicherungssumme nach einigen Jahren aufgebraucht ist, die Witwe aber auch nach drei Jahren keinen gut bezahlten Job gefunden hat? Dass sie einen Job findet, in dem sie auch nur annähernd so viel verdient wie ihr verstorbener Ehemann, halte ich sowieso für höchst unwahrscheinlich.

Das Waisengeld kann man übrigens fast vernachlässigen. Es beträgt 1/10 der Erwerbsminderungsrente, die dem Verstorbenen zugestanden hätte, d. h. im besten Fall 120 Euro, im Schnitt aber unter 100 Euro pro Kind.

Das ist aber noch nicht alles: Bei jüngeren Paaren, d. h. wenn beide später als 1961 geboren wurden oder aber später als 2001 geheiratet haben, wird nicht nur das berufliche Einkommen der Witwe, sondern auch jeder andere Cent, z. B. Betriebsrenten und Sparbuch-Zinsen mit der Witwenrente verrechnet. Jüngere Witwen müssen also damit rechnen gar keine Witwenrente zu bekommen, vor allem dann, wenn sie selbst arbeiten. Aber wenn sie nicht arbeiten, reicht die Rente nie und nimmer zum Leben. Wohl dem, der zudem noch Anspruch auf eine Betriebsrente hat.

Dieser Befund lässt mich sehr ratlos:
Die staatliche Absicherung für Witwen und Waisen ist mehr als dürftig und auch mit einer guten privaten Vorsorge muss jede Witwe mit großen finanziellen Einbußen rechnen.

Eigentlich braucht man sich nicht zu wundern, wenn immer weniger Frauen ein solches Armutsrisiko eingehen wollen. Das ist aber sehr traurig, nicht nur für unsere Gesellschaft , die in einigen Jahren massiv unter dem Mangel an Arbeitskräften leiden wird, sondern auch für jeden Menschen, der das Glück, das Kinder bedeuten, nicht erlebt.

Leider gibt es allem Anschein nach nur wenige Witwen und Waisen oder aber diese bilden eine Gruppe, die trotz ihrer bedauernswerten finanziellen und psychischen Lage wenig jammert. Wie sonst kann man es erklären, dass die Situation von Witwen und Waisen in den Medien kaum präsent ist? Sie tauchen allenfalls in der Werbung von Lebensversicherern auf.
 

Ich frage mich nun: Was könnte man, vor allem auf längere Sicht, tun? Ich habe dazu ein paar Thesen.

  1. Alle Maßnahmen, die eine verstärkte Berufstätigkeit von Frauen zur Folge haben, wie z. B. der Anspruch auf Kinderbetreuung, sind zu begrüßen.
  2. Eine finanzielle Belohnung der Nichtberufstätigkeit von Frauen, wie sie die so genannte Herdprämie darstellt, ist kontraproduktiv und verstärkt massiv das Armutsrisiko der (Haus)frauen, falls diese früh Witwen werden.
  3. Die Hausarbeit und die Erziehung der Kinder sollte Sache beider Elternteile sein und darum sollte es möglich und üblich sein, dass nach der Geburt eines Kindes beide Elternteile weniger Stunden arbeiten. Jeder Betrieb sollte verpflichtet werden, Eltern flexibel Teilzeit zu gewähren.
  4. Der entstandene Verdienstausfall sollte durch massive Steuererleichterungen für Eltern oder finanzielle Beihilfen bei Geringverdienern zumindest teilweise aufgefangen werden.
  5. Die hierbei entstehenden Kosten sollten durch den Wegfall der Steuererleichterungen für kinderlose Ehepaare gedeckt werden.
  6. Aber auch für Ehepaare mit Kindern sollte das Ehegattensplitting wegfallen. Erstens könnte man hier 20 Milliarden Euro einsparen (laut einem Artikel in der badischen Zeitung vom 12.01.2011: http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/spd-will-weg-vom-ehegattensplitting--39874018.html) und zweitens ist das Ehegattensplitting ja oft ein Grund dafür, dass der Mann den Großteil des Familieneinkommens verdient.
  7. Das Modell des Erziehungsgeldes gefällt mir  nicht schlecht, aber vielleicht könnte man den Anteil, den Männer leisten müssen, noch etwas erhöhen. Allerdings finde ich es richtig, dass der höhere Einsatz der Frauen während der Schwangerschaft und Stillzeit auch von der Gesellschaft belohnt wird.
  8. Wenn durch diese Maßnahmen sicher gestellt wären, dass alle Mütter selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können, müsste die staatliche Witwenrente eventuell gar nicht erhöht werden.
  9. Aber die Waisenrente sollte meiner Meinung nach für Halb-, wie für Vollwaisen deutlich erhöht werden oder aber es sollte einen weiteren Topf zur Unterstützung von Waisen und falls nötig auch für Witwen geben.
  10. Vor allem aber sollte das Thema in den Medien viel präsenter sein, so dass jede Frau weiß, welches Risiko sie eingeht, wenn sie auf eine Erwerbstätigkeit und einen selbst erarbeiteten Rentenanspruch verzichtet.
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 26 Februar 2011 )
 
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